How To Survive Straßenmusiker

Robin Sellin, Du bist Straßenmusiker. Wie bist Du dazu gekommen?

Ich bin zum Musik machen und Studieren nach Berlin gezogen. Die Musiker auf der Straße hier haben mich dann angesteckt.

Was magst Du an diesem Job am meisten?

Man fühlt sich frei und ungehämmt, ist unter Menschen und kann dabei was schönes kreieren das hoffentlich allen zugute kommt.

Was am wenigsten?

Man bekommt manchmal Dinge mit, die man lieber nicht gesehen hätte, Abgründe wirklich, aber das gehört dann irgendwie dazu.

Was war dein schönstes Erlebnis?

Ich liebe es, wenn Menschen zur Musik anfangen zu knutschen. Und einmal kam eine Frau zu mir und bedankte sich, weil sie einen Streit zwischen ihr und einer Freundin schlichten können, während die beiden der Musik lauschten. Lustig, bei mir in den Songs geht es oft um misslungene Kommunikation…

Was dein schrecklichstes?

Ach, da kann ich mich nicht entscheiden. Manchmal muss man bestimmte unangenehme Situation ertragen. Man steht ja ungeschützt irgendwo rum und ist den Launen aller (potenziell) ausgesetzt.

Was dein absurdestes oder witzigstes?

An einem Tag kam in der Mitte meines Sets ein Mann im Rippshirt, stolzem Bierbauch, mit zwei Bierflaschen, einer Packung Toast und einem Eimer Farbe vorbei. Der hat dann während ich spielte um mich eine Bühne gemalt und irgendwas auf den Boden geschrieben. Während er sein Toast aß… Natürlich sind dann andere, nichtsahnende, Leute da voll durch gelaufen und haben die weiße Farbe überall verteilt. Er, aufgeregt zwischen den Menschen hin und her, wollte das irgendwie verhindern, aber keiner verstand was er ihnen sagen wollte… skurril.

Bekommst Du auch manchmal Geschenke von Passanten, außer Geld?

Bananen, Bier, Weed, Schnappsfläschchen und Plüschtiere (Junggesellenabschiede), CDs

Hast Du Tipps oder Tricks, wie sich der Job besser gestaltet oder leichter fällt?

Man muss einfach tierisch Bock drauf haben. Mir is auch wichtig, dass sich mein Setup einigermaßen einfach transportieren lässt. Dann ist man nicht so genervt, wenn man an einem Ort ankommt.

Welche Fähigkeiten sollte man als Straßenmusiker besitzen?

Ausdauer beim Warten und Performen, Flexibilität, um in jeder Situation geschmeidig zu bleiben und Ehrlichkeit.

Coverst Du nur oder spielst du auch deine eigenen Songs?

Am meisten spiele ich eigene Lieder, aber ich singe auch gerne die Lieder von anderen, wenn sie meine Gefühl grad gut ausdrücken.

Was sind die Vorteile an dem Job?

Flexibele Arbeitszeiten. Man kann viel oder wenig spielen. Musik ist ja ein projektbasiertes Geschäft. In den Zeiten, wo man nix zu tun hat, kann man auf die Straße gehen, Geld verdienen und üben was das Zeug hält. Man kann machen was man will. Entweder die Zuhörer lauschen gebannt, oder sie gehen halt einfach ohne schlechtes Gewissen. Das lässt eine total offene Interaktion zwischen mir, der Musik und den Passanten zu.

Was die Nachteile?

Man ist vom Wetter abhängig und es kann Ärger mit der Polizei oder dem Ordnungsamt geben. Das Einkommen ist nie genau planbar und man muss sich immer wieder selbst motivieren.

Wie hoch war dein bester Verdienst an einem Tag?

Über Geld spricht man nicht 🙂

Bist Du auch mal völlig leer ausgegangen?

Nie so ganz, aber nahe dran.

Wo würdest Du am liebsten einmal auf der Straße spielen?

In Barcelona am Wasser, oder in L.A., oder an irgendeinem wunderschönen Ort, einem großen Platz mit vielen entspannten Menschen, Meer, Sonne, Berge, Bäume, wo auch immer so ein Ort ist.

Mit welchen bekannten Musiker würdest Du gerne mal zusammen einen Straßen-Gig spielen?

Chris Thile bzw. alle Punch Brothers

Hast Du eine Empfehlung für Leute, die mit dem Gedanken spielen Straßenmusiker zu werden?

Such/schreib dir Lieder, die dir richtig richtig viel Spaß machen beim Performen!

Vielen Dank, Robin! http://natureinthecity.de

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