How To Survive Escort-Dame

Du bist Escort-Dame. Ist das die richtige Bezeichnung dafür, Escort-Dame?

Ja. Es gibt kulturellen Escort und den erotischen Escort – ich mach sowohl als auch. Ich bin Escort-Frau und Muse (so nennt mich mein einer Kunde immer). Gerne bin ich für jemanden eine anregend-inspirierende Begleitung, welche die kreativen Leistungen jeglicher Art anspornt oder inspiriert. So teile ich gerne mein Wissen über Sexualität und Weiblichkeit spielerisch mit Männern.

Die meisten Escort-Frauen sind aber bei einer Agentur. Darüber kann man sie buchen. Das hab ich nicht. Ich bin bei keiner Agentur. Ich hab ganz wenig Gäste, dafür treue, davon ein Hauptgast. Die sind zu mir gekommen. Es ist einfach passiert. Ich kann mir auch nicht vorstellen zu ner Agentur zu gehen, wo klar ist, du musst auf Abruf sein, du musst die Gäste nehmen, die anfragen – du musst deine Beine spreizen wenn die wollen, das mach ich nicht. Ich hab die Freiheit mir die Gäste auszusuchen, die zu nehmen, die ich möchte, wen ich will. Und ich kann mir den Rahmen gestalten. Ich stecke die Spielregeln ab und ich kann nein sagen, wenn ich nicht will.

Lässt Du dich auch von deinen Gästen weiterempfehlen?

Ne, das wollen die Männer nicht. Das erzählt man nicht weiter. Viele sind ja verheiratet und so – das ist ein No Go. Das hat sich bis jetzt immer so ergeben, in einem Gespräch, in dem ich gesagt hab was ich mache und danach kam dann ein Anruf: „Du, ich find das ganz spannend, könntest du dir das vorstellen, ich würde das gerne mal machen.“

Und so ist es bisher gelaufen und wenn es so läuft ist es super.

Wie bist du dazu gekommen?

Da muss man ganz ganz vorne anfangen… Ich wollte ja mal Hebamme werden. Das war total schwierig in Berlin nen Ausbildungsplatz zu bekommen. 20 Plätze auf 2000 Bewerberinnen und mit meinen Kindern konnte ich mich nur in Berlin bewerben. Und da hatte ich ein Jahr das ich überbrücken musste, bis ich mich wieder bewerben konnte. Dann hab ich überlegt, was kann ich machen? In diesem einen Jahr an Fortbildungen. So bin ich eben Heilpraktikerin geworden, Coach, Hypno-Therapeutin, ich hab diese Hypno-Birthing Ausbildung gemacht, was auch meine Herzensangelegenheit ist.

Also ich würde sagen ich bin Fachfrau für Geburten und Sexualität. Das hab ich hauptsächlich gemacht, hab dann noch ne systemische-integrative-sozial-therapeuthische Ausbildung gemacht, das heißt: mit Aufstellung, Psychodrama und so weiter. Ich liebe es hinter die Masken zu schauen, zu sehen, wer steckt eigentlich dahinter und… es berührt mich total jedes Mal, wenn ich sehe, wie die Masken fallen, wie die Menschen sich plötzlich in ihrer Verletzlichkeit zeigen. Die reine Person kommt zum Vorschein. Das hab ich beim Coachen immer wieder gehabt, wenn man die richtigen Fragen stellt. Dann hab ich aber gemerkt, es fehlt mir auch was, ich liebe es zu berühren, aber es war bisher immer nur kognitive Ebene und ich hab ganz viele Freundinnen und Bekannte, die im Bereich Tantra-Massage arbeiten, da bin ich da dann reingerutscht. Und da hab ich plötzlich gemerkt, was für ein großes Thema Sexualität in unserer Gesellschaft ist.

Jeder will’s. Jeder hat’s. Wir denken, wir sind total aufgeklärt – sind wir auf der einen Seite auch, auf der anderen Seite sind wir’s überhaupt nicht. Ich glaube dass unsere Gesellschaft, ich sag jetzt mal, ein sehr krankes Verhältnis gegenüber der Geburt und der Sexualität hat. Und das daraus wahnsinnig viel Trauma hervorgeht. Viel im Mangel sein hervorgeht. Dass dadurch die Menschen ständig auf der Suche sind und das Gefühl haben, sie kommen nicht an. Dadurch resultieren so viele Süchte. So viel Streit und Krieg. Ich bin auch noch Sexological Bodyworkerin, das war meine letzte Ausbildung.

Was beinhaltet das genau?

Ich biete meinen Kunden einen geschützten Raum, in dem sie ohne Wertung unterstützt werden. Ich unterstütze sie darin, ihr Verhältnis zur eigenen Sexualität zu durchleuchten und zu erweitern. Auch das Verhältnis zum eigenen Körper kann vertieft werden. Wir arbeiten gemeinsam mit Atmung, Bewegung und Stimme.

Es kommen Menschen, die z.B. noch nie einen Orgasmus hatten, sie kommen wegen Missbrauch oder sie können gewisse Stellen an meinem ihrem! Körper nicht spüren oder sie kriegen keine Erektion, kommen zu schnell – whatever. Daran wird gearbeitet.

Einmal auf einer Party bei einer Freundin, das war zu der Zeit, als ich anfing mich für Tantramassagen zu interessieren, kam ein Mann auf mich zu. Er fühlte sich von mir angezogen und wollte was von mir, doch er war gar nicht mein Typ, so ließ ich ihn also abblitzen. Dann kam er später noch mal auf mich zu und hat Geld geboten. Ich dachte: Was für ein dreister Arsch! Was fällt dem denn ein! Und dann fing es aber an in mir zu arbeiten. Und ich dachte, so unattraktiv ist er nicht.

Ich hab irgendwann mal festgestellt, dass ich eine Moralliste habe. Was man machen muss, was man auf keinen Fall machen darf, was sich nicht gehört und so weiter… und ich hatte irgendwann mal angefangen, alles anzuzweifeln. Angefangen damit, dass ich zu Mc Donald’s gehe und einen Burger esse oder ich geh jetzt mal los und habe einen One-Night Stand. Und dieses Sex für Geld stand auch auf meiner Liste: Das macht man nicht, das gehört sich nicht, das ist ein No-Go.

Und ich hab mich dann gefragt: Ist es denn meine Stimme die das sagt? Oder ist das die Stimme meiner Familie oder der Gesellschaft? Dann dachte ich mir, wenn ich’s nicht ausprobiere, dann werde ich nie die Erfahrung machen, wie sich das anfühlt. Ich bin dann später noch mal auf diesen Mann zu, der mich angesprochen hatte und meinte, okay, let’s do it. Und es war total schön.

Es hat viel Spaß gemacht. Ich hatte ziemlich schnell einen super Orgasmus und ich dachte mir: Wahnsinn – dafür krieg ich jetzt auch noch Geld! Ziemlich gutes Geld sogar. Und dann fing’s an in mir zu arbeiten. Ich kenne viele Leute, die treffen sich mit fremden Menschen übers Internet oder irgendwelche Fick-Apps zum Vögeln. Das ist mein Ding nicht. Ich glaube auch nich, dass der Sex qualitativ hochwertig ist.

Sind auch meistens eher komische Vögel oder?

Manchmal bestimmt, aber meistens weiß ich nicht Hehe, das kann ich nicht beurteilen, da ich das bisher nicht gemacht habe! Bei mir ist das anders. Meine Kunden freuen sich auf mich, sie bereiten sich vor auf mich, machen sich frisch und schick, führen mich aus, werben um mich, flirten mit mir – ich darf Prinzessin sein. Ich werde auf Reisen mit eingeladen. Sie wollen dass es mir gut geht, sie verwöhnen mich. Also – ich denke jedes Mal: Wow, ich darf das machen, was andere sowieso machen und ich krieg dafür noch Geld. Mich berührt das. Natürlich kann man so einen Straßenstrich damit nicht vergleichen. Das was ich mache, macht einfach Spaß. Ich berühre Menschen, gebe ihnen ganz viel, sie geben mir ganz viel.

Ist doch eigentlich ein super Job. Warum glaubst du, ist er noch so negativ behaftet?

Oh ich glaube, das spielen mehrere Faktoren mit rein. Also einmal, wenn man zum Beispiel mal bei Kindern schaut, das sind total sexuelle Wesen, das liegt in der Natur des Menschen, aber wir erziehen es ihnen ab. Dann hatte bis vor kurzem die Kirche einfach noch wahnsinnig viel Macht und Einfluss, das spielte auch eine große Rolle. Das was die Kirche bei uns Frauen angerichtet hat, ist meinem Verständnis nach im  Kollektiv gespeichert und unbewusst läuft da eine Menge ab. Gerade wenn Frauen mit ihrer Lust gingen, hieß es, sie ist ne Schlampe, ne Hure. Sie wurden verbrannt, verfolgt, getötet und geächtet.

Ich kenne ganz viele Frauen, wenn die plötzlich ihre Weiblichkeit ausleben, dann kommen auf einmal Bilder von Scheiterhaufen hoch: Die Gebärmutter wird aufgespießt, sie werden öffentlich durchs Dorf gezerrt und so weiter. So was gibt es. Gedanken kommen hoch wie, du musst auf dich aufpassen, du darfst das nicht machen, du bringst dich in Gefahr, wenn du deine Lust zulässt.

Wenn ich mich in eine Frau hineinversetzen müsste, wäre das der einzige negative Grund, der mir einfallen würde: Man bringt sich in Gefahr. Was meinst  Du?

Ja, die Frage habe ich mir auch schon gestellt, ich meine, ich bin nicht auf dem Straßenstrich, also da hätte ich auch Angst, an den Falschen zu geraten und das war’s dann. Aber bei mir ist es eben anders, ich hatte nie Angst, es hat sich immer richtig angefühlt, sonst hätte ich es nicht gemacht. Gleichzeitig weißt du, wenn du Pizza-Lieferant bist und mit deinem Roller durch die Gegend fährst, kannst du auch vom Auto angefahren werden.

Oder überfallen werden. Ich weiß es, ich hab den Job fünf Jahre lang gemacht.

Ja, also – welcher Job ist wirklich sicher?

Was magst Du an dem Job am meisten? Warum liebst Du diesen Job?

Ich liebe es in dem Bereich Sexualität zu forschen, zu schauen, wie ticken Männer, wie ticken Frauen. Es gibt auf diesem Feld noch so wahnsinnig viel zu entdecken. Auch das Moral-Ding zu kippen, SM, BDSM und so weiter, wo die meisten denken oh Gott, oh Gott – und dann zu sehen, was steckt eigentlich wirklich dahinter und dann stellen sie fest: Das ist ja doch ganz anders, als in unseren Köpfen. Zu schauen, wenn ich an eine Grenze stoße, wie gehe ich mit dieser Grenze um. Mein Escort-Job ist mein allerbester Lehrer gewesen. Ich lerne ganz viel dabei. Dieser Job ist ein wahnsinnig toller Lehrer.

Was magst Du an dem Job am wenigsten?

Ich hab mich mal in jemanden verliebt, hab mich dann aber mit einem meiner Kunden getroffen, mit dem ich auf Reisen gegangen bin und ich hab gemerkt, ich bin gar nicht offen meinem Kunden gegenüber. Es war aber alles schon gebucht, ich war auf das Geld eingestellt und plötzlich hab ich gemerkt, jetzt mache ich das wirklich nur für’s Geld. Da fühlte ich mich als Prostituierte, das war nicht schön.

Also wenn Du mit dem Herzen nicht dabei bist, fühlst Du dich schlecht dabei?

Ja, genau – wenn ich nicht mit dem Herzen dabei bin. Wenn ich das nur wegen des Geldes mache, nicht mehr für meine Freude, meinen Spaß.

Ist daraus was geworden, als Du dich verliebt hattest?

Nein, leider nein…

Ist ja dann auch ein wenig schwierig oder, wenn man in einer festen Beziehung ist und diesen Job macht.

Ja, das stimmt, das ist dann schon problematisch…

Wie ist das denn dann, wenn Du dich verliebst?

Dieser Mensch hatte sich tatsächlich auch in mich verliebt, wegen meinem wilden Leben…

Er wusste davon…?

Hm… und als er dann anfing sich für mich zu öffnen, wurde es dann doch problematisch und plötzlich wollte er das alles so nicht mehr. Kann ich teilweise nachvollziehen. Ich hab ihm auch eine offene Beziehung angeboten. Er hätte auch gut profitieren können…

Dir hätte es nichts ausgemacht, wenn er nebenher andere Frauen gehabt hätte?

Ne, nur wenn was festes noch nebenbei gewesen wäre, dann schon.

Okay, aber er ist damit nicht klar gekommen?

Ne, am Ende nicht mehr so, viel Kopfkino. Also, für ihn war es dann plötzlich auch so: Du bist ne Prostituierte, obwohl er sich ja genau wegen meinem freien und offenen Leben in mich verliebt hatte.

Würdest Du heute auch immer noch so machen, wenn Du jemanden kennenlernst? Also, ihm sagen was Du machst?

Ja, auf jeden Fall. Ich liebe Ehrlichkeit – Karten auf’n Tisch.

Aber dann musst Du damit rechnen, dass die meisten eher keinen Bock drauf hätten, oder?

Ja und nein. Für ihn war es ja auch spannend. Er ist da in meine Welt eingetreten, fand’s total schön und spannend und aufregend und plötzlich ist es gekippt.

Aber das wird doch fast immer so laufen. Die meisten finden es am Anfang aufregend und spannend und dann kippt es, dann kriegen sie ein Problem damit, kommen damit nicht klar. Eifersucht – liegt auch in der Natur des Menschen. Vielleicht gibt es 5% die anders ticken, aber die Mehrheit…?

Ich hatte schon so einen Menschen (in meinem Leben), der war so mit sich im Reinen, der hatte weder ein Problem mit sich oder mit dem was ich tue. Ich wünsche dir viel Spaß, hat er gesagt, wenn ich zu einem meiner Kunden gegangen bin. Bin ich dann nach Hause gekommen, hat er mich gefragt: „Und wir war’s?“ Ich hab ihm davon erzählt und er hat mich sogar noch gecoacht, hat mir Tipps gegeben – so von Mann zu Frau. „Probiere doch das nächste Mal das und das aus…“ Das war toll!

Was verdient eine Escort-Dame?

Das ist wirklich ganz unterschiedlich. 300 Euro in vier Stunden bis 1200 Euro in vier Stunden ist die ganze Bandbreite.

Was war dein schönstes Erlebnis in deiner Laufbahn als Escort-Dame?

Also mit das schönste Erlebnis ist definitiv immer, wenn ich merke, jetzt hab ich sie gerade berührt. Jetzt habe ich sie wirklich tief im Herzen berührt. So dass da plötzlich ein Erstaunen in den Augen ist, so eine Sprachlosigkeit in den Gesichtern zu erkennen ist und ich dann merke, wow – gerade passiert ganz, ganz viel. Das ist ein wahninniges Geschenk, das berührt mich total. Und dann, hat mich mal ein Stammkunde auf eine längere Reise in die USA eingeladen und ich durfte mir aussuchen, wo wir hinreisen. Es war echt ein Traumreise. Andere Menschen sparen Jahre dafür, um ihre Flitterwochen irgendwo verbringen zu können und ich hab das alles einfach so bekommen. Ich hab gesagt, ich hätte gern das und das und das und dann sind wir durch den Grand Canyon, nach Las Vegas und hier hin und dort hin – das war filmreif.

Was war dein schrecklichstes Erlebnis?

Also ich glaube, DAS schrecklichste Erlebnis hatte ich nicht…hm. Das schrecklichste Erlebnis war (schrecklich war es), wenn ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe, wenn ich nicht auf meine Grenzen geachtet habe. Wenn ich dachte, das muss ich jetzt machen und hab es machen lassen, obwohl ich eigentlich, gemerkt habe: ich will’s nicht. Aber das passiert mir auch immer mal wieder im alltäglichem Leben. Wem auch nicht…?

Was war dein absurdestes oder witzigstes Erlebnis?

Absurd ist so relativ, ich hab so viel gemacht und ausprobiert in meinem Leben, da sagen vielleicht andere Menschen, das ist total absurd und für mich ist es eher normal.  Ach genau – da hat ein Kunde mal angedeutet, er hätte gerne Sex mit zwei Frauen und jetzt ist es so dass ich regelmäßig Freundinnen frage, ob sie nicht Lust haben… Aber das sind dann meistens schon Frauen, die in diesem Bereich arbeiten oder von denen ich weiß, die sind da offen und hätten mal Lust sich da auszuprobieren. Die es schon mal machen wollten, sich dann aber nicht getraut haben. Ich sag dann, hey, willst du nicht mal mitkommen, lass uns das doch zusammen machen. Mir macht das wahnsinnig Spaß meine Freundinnen neu zu „entdecken.“

Und hast Du einige deiner Freundinnen schon mal dazu bringen können?

Ja, ja – oh ja…

Bekommst Du auch mal Geschenke von deinen Kunden? Also, außer Trinkgeld?

Ja… also die teure Rolex hab ich noch nicht bekommen, aber das gibt es durchaus, kommt drauf an bei welcher Agentur du arbeitest. Aber ja, ich krieg schon manchmal Geschenke.

Hast du Tipps für Frauen, die sich mit dem Gedanken beschäftigen Escort-Dame zu werden?

Ich glaub, es ist wichtig als allererstes die Stimmen im Kopf zu überprüfen. Die ganzen Moral-Stimmen. Die sind ja in der Regel da, um uns zu schützen und dann wirklich zu schauen, sind das meine Moral-Stimmen oder die von jemand anderem. Hab ich Angst, dass mein Umfeld schlecht über mich spricht oder will ich mein Leben leben? Dann, wenn man sich wirklich überlegt den schritt zu gehen, wie und wo. Wo will ich das am liebsten machen? Dann wirklich bei einer professionellen Agentur schauen, mit den Leuten sprechen.

Und es gleich von Anfang an alleine zu versuchen, ohne Agentur – würdest Du das jemanden raten?

Es gibt welche die das machen, die basteln sich eine Website zurecht und dann musst du halt selektieren. Man kriegt eine Millionen blöde Anfragen, schräge Anfragen. Es gibt Frauen, die sagen, schick mir ein Foto. Fragen denjenigen was sie genau wollen und dann schauen sie, hört sich das stimmig an? Finde ich denjenigen sympathisch? Vertrauenswürdig? Wenn ja, dann nehmen sie an.

Welche Fähigkeiten sollte man als Escort-Dame besitzen?

Natürlich gibt es Menschen, die würden jetzt sagen, gutes Aussehen und so weiter – kommt drauf an, ich glaube aber, authentisch sein, ist das wichtigste. Ich kenne Escort-Frauen, die sind auf den ersten Blick jetzt nicht die Schönheiten. Aber das sind so wahnsinnig clevere Frauen, die haben eine so wahnsinnig innere Schönheit und eine so wunderschöne sexuelle Energie, wo ich mir anfange die Finger zu lecken. Die haben sich nicht davon aufhalten lassen, ich entspreche nicht diesen typischen Maßen, hab keine Monster-Titten, sondern sie schauen aus, wie sie ausschauen und machen ihre Arbeit, als Escort, als Domina, als was auch immer und sind sehr gute gebucht.

Also, ich glaube, es geht hauptsächlich ums authentisch sein. Eine Escort-Dame sollte auch eine gute Zuhörerin sein. Viele der Damen sind halbe Psychologinnen. Einfühlungsvermögen ist wichtig. Du solltest wissen, wo sind dein Grenzen. Man sollte auch ein sexuelles Wesen sein, man sollte sich mit seiner Lust verbinden können, man sollte eine sexuelle Offenheit haben. Es werden natürlich immer wieder Wünschen geäußert: Mach das und das und das und so weiter und wenn du bisher nur Blümchensex gemacht hast, dann bist du ganz schnell überfordert.

Man sollte für sich wissen, was man will und was man nicht will, um den Rahmen klar abstecken zu können. Wo man auch immer darauf achten sollte ist dass das Zimmer nicht abgeschlossen wird und dass wenn ihr spielt, dass du dich nicht fesseln lässt. Dass du diejenige bist, die fesselt. Weil, wenn du gefesselt bist, kommst du nicht mehr weg und bist demjenigen ausgeliefert. Das sind so Sachen, auf die machen achten muss.

Was sind die Vorteile an dem Job der Escort-Dame?

Die Vorteile des Jobs… das sind wahnsinnig viele…dieser Job ist mein bester Lehrer. Ich lerne so viel über mich selbst, über Menschen, das ist ein großer Vorteil. Ich bestimme meine Spielregeln selber, ich stecke das Spielfeld ab, das ist wahnsinnig geil. Ich mach was, was ich gerne mache, krieg dafür noch Geld. Ich werde verehrt, ich werde begehrt – ich darf  Prinzessin sein.

Das ist total toll. Das macht wirklich Spaß. Ich kann ausprobieren. Ich kann mein Wissen ausbauen. Ich kann meine ganze Erfahrung aus meinen anderen Ausbildungen und Berufen einfließen lassen und das macht total viel Spaß. Dieser Job ist für mich ein Spielplatz. Ein Erfahrungsfeld. Ich weiß, ich werde das keine Ewigkeiten machen, aber jetzt gerade ist das ganz viel Freude und Spaß.

Gut dass Du’s ansprichst, den Job kann man ja schlecht bis zur Rente machen…

Ja, das mach ich jetzt im Moment, wie lange ich das noch mache, weiß ich nicht. In Amerika gibt es mittlerweile Senioren-Puffs…

Was sind die Nachteile des Jobs?

Wenn man anfängt es nur noch für Geld zu machen, ich glaub das ist auf Dauer nicht gesund. Man kann sich Geschlechtskrankheiten einfangen. Kann ja immer mal passieren, dass ein Kondom platzt. Es könnte zu Übergriffen kommen, aber ich meine, das kann dir überall passieren. Es gibt Frauen, die kommen von dem Job nicht mehr los.

Aber das sind meistens Frauen, die auch im Bordell arbeiten und irgendwann ist der Zug abgefahren und sie bleiben hängen. Es kann passieren, dass deine Familie dich ächtet. Dass sie mit dir nichts mehr zu tun haben wollen. Dass du Freunde verlierst. Es kann passieren, dass du dich verliebst. Es kann passieren, dass du keinen Partner findest, der akzeptiert was du machst.

Hast Du Empfehlungen für Frauen, die sich für den Job interessieren?

Es gibt viele gute Bücher, z.B: Warum Männer 2.000 Euro für eine Nacht bezahlen von Vanessa Eden. Dann gibt es Lass dich verwöhnen – Prostitution in Deutschland. Das sind, denke ich zwei ganz gute Bücher die einem einen guten Einblick in den Job geben.

Sollte es für Escort-Damen nicht eine Ausbildung geben?

Ja – auf jeden Fall! Es gibt Ausbildungen für Domina’s und so weiter. Es wäre total schön, wenn dieser Beruf geehrt wird. Es gibt Menschen die hatten noch nie Sex und wissen nicht wohin mit sich. Ich finde, wir haben in meinen Augen eine sehr unbewusste und krankhafte Sexualität, gerade auch durch die Pornografie – ist ja nur noch dieses Rammeln, Geficke und so weiter.

Was ist, wenn man mal diesen ganzen Leistungsdruck, Orgasmus rausnimmt? Was ist, wenn man sich mal Zeit lässt? Was ist, wenn man seinem Gegenüber und sich selbst bewusst in der Sexualität begegnet?

Da ist so viel Heilung, so viel Potenzial. Ich denke, das braucht es auf jeden Fall Schulen. Die meisten Menschen leben nur vom Kopf aufwärts. Der Rest des Körpers ist nicht bewohnt. Das ist schade, denn viele können sich selber kaum noch spüren und bewusst wahrnehmen. Wir brauchen da ganz dringend einen gesunden Aufklärungsbedarf. Frauen kennen ihren Schoß nicht. Viele wissen gar nicht, dass sie statt eines G Punktes eine eine G-Fläche haben, dass sie ejakulieren können. Sie wissen nicht, dass sie eine A-Fläche haben, dass sie unterschiedliche Orgasmen haben können. Das wissen die meisten nicht und das finde ich dramatisch. Wie sollen Männer wissen, wie sie mit dem weiblichen Körper umgehen sollen, wenn Frauen nicht mal selbst genau über ihren Körper bescheid wissen?

Da denke ich, da hat dir Kirche früher ganze Arbeit geleistet, sie hat das wirklich gut ausradiert, das Ganze. Wenn du dich da ausprobierst auf dem Feld der Sexualität, gerade bei Slow-Sex, tantrischer Sex und so weiter, dann kannst du wahnsinnige tolle Erfahrungen haben, wirklich dich mit dem Universum verbinden, Raum und Zeit verlassen, in andere Dimensionen abdriften – da liegt so viel Potenzial! Würden die Menschen verstehen, was für ein Potenzial darin steckt, würden die alle keine Drogen mehr nehmen. Das kann man mitunter alles durch und mit Sex erfahren.

Was würdest Du Interessierten noch mit auf den Weg geben? Hast Du ein paar abschließende Worte?

Der Job der Escort-Frau kann aufregend sein und dein Leben total verändern. Mein Leben ist alles andere als geradlinig. Auch daraus schöpfe ich meine Kraft und Leidenschaft. In meiner Arbeit ermöglicht mir das eine große Offenheit verschiedenen Menschen und Lebensentwürfen gegenüber. Die Möglichkeit, Menschen in ihren persönlichen Erkenntnis-Prozessen zu unterstützen, sie auf einem Stück ihres Weges hin zu mehr Vertrauen in sich und andere zu begleiten – das erlebe ich als Geschenk.

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