How To Survive Friseurin

Sophia, bevor Du Schauspielerin wurdest, hast Du eine Friseurausbildung absolviert. Wie bist du dazu gekommen?

Ich wollte ursprünglich Maskenbildnerin werden. Und am Theater arbeiten, wie meine ganze Familie. Damals musste man noch eine Friseurausbildung machen, um Maskenbildnerin zu werden. Jetzt braucht man ja nur noch Abi. Für mich hat die Tätigkeit als Friseurin tatsächlich sehr viel Künstlerisches. Bisschen wie malen.

Warum glaubst Du wollen eher Frauen den Beruf als Friseur machen?

Die Werbung versaut da die kleineren Mädchen. Die meisten Mädchen wollen früh so schön aussehen, so schöne Haare und Frisuren haben, wie die Models in der Werbung. Als Friseurin scheint man dem Ideal näher, man kann sich ja dann selbst diese perfekten Frisuren und Make Up machen.

Was ist der Unterschied zwischen Männer und Frauen in diesem Beruf?

Frauen interessieren sich nunmal mehr für Schönheit – für die Verschönerung von Menschen. Sie haben eher ein Händchen für Feinheiten, für Ästhetik. Ist vielleicht ein Vorurteil, stimmt aber meiner Meinung nach. Männer sind ja doch eher etwas grob (lacht).

Gibt es auch männliche Friseure, die nicht schwul sind?

Ja! Einen kenne ich persönlich aus dem Betrieb, in dem ich gelernt habe. Der arbeitet jetzt mittlerweile bei einem Barbier, nur für Männer.

Sonst kenne ich eher schwule Männer als Friseur, die haben einfach diesen ästhetischen Blick.

Wie lange hast Du den Job gemacht?

Mehr als drei Jahre.

Was magst Du an dem Job als Friseurin am meisten?

Junge Kunden, die sich hingesetzt und gesagt haben: Mach einfach. Sag du was du cool findest. Guck was mir steht, ich überlasse dir das alles. Da konnte man sich austoben und experimentieren. Wie ein Künstler auf seiner Leinwand. Das war schön, hat mir echt Spass gemacht.

Was am wenigsten?

Meine Kollegen. Ich habe mich mit den Leuten einfach nicht verstanden. Ich bin sehr ehrlich, wenn mir was nicht passt, dann sag ich das. Das muss man abkönnen. Das konnten die dann eher nicht.

Bei einer speziellen Kollegin hatte ich regelmäßig Mordfantasien, wenn ich sie gesehen habe. Das war nicht so schön. Mit den Leuten von der Berufschule habe ich mich aber gut verstanden, die waren ziemlich cool. Vor kurzem hatten wir ein Revival in der Schweiz.

Hattest Du auch mal Probleme mit Kunden?

Ja! Eine Mutter hat mich ordentlich angeschrieben, als ich bei ihrem 6-jährigen Jungen Läuse gefunden habe. Kompletter Kopf voller Läuse. Ich habe ihr klar gesagt, sie muss leider mit ihrem Sohn wieder nach Hause, am besten die Haare abscheren.

Sie hat mich angeschrien, dass ich unfähig bin, dass ihr Sohn sich täglich wäscht, dass ich Lügen verbreite. Sie hat den Chef verlangt und behauptet, dass ich ihm die Läuse vielleicht sogar noch angehängt habe.

Und Probleme mit deinen Chefs?

Im Gespräch mit meinem Chef – er hatte gerade überlegt mir zu kündigen – habe ich ihm ehrlich gesagt, dass ich das auch gerade überlege. Sein Weinkonsum ab 10 Uhr morgens war mir etwas viel. So viel Ehrlichkeit kam nicht so gut an. Ich wurde erstmal freigestellt. Aber erstaunlicherweise durfte ich wiederkommen und er hat auch dann auch erst ab 12 Uhr statt 10 Uhr getrunken.

Was war dein schönstes Erlebnis?

Als ich ein Jahr lang da, war kam ein neuer Lehrling in unseren Laden. Eine nette, kleine Blondine. Wir waren gleich alt, beide 17 und haben uns sofort angefreundet. Sie hat mich aufgebaut, wenn es mal wieder Ärger gab und wir haben uns auch viel privat getroffen. Wir haben heute immer noch Kontakt und verstehen uns auch sehr gut – ja, das war mein schönste Erlebnis als Friseurin.

Was dein schrecklichstes?

Eine Kollegin, Italienerin, die mit über 30 noch bei ihrer Mama wohnte, hat mich gehasst. Und das hat sie mich spüren lassen.

Abends mussten wir immer putzen. Das eine Mal hat sie mir gedroht – wegen eines einzigen, liegengebliebenen Haares – mir die nächsten Jahre zur Hölle zu machen. Ich habe mir das zwar nicht gefallen lassen, aber es wurde dadurch nicht besser.

Im Gegenteil.

Was folgte war schlimm für mich. Samstag war Putztag, die Chefs waren schon gegangen. Diese Italienerin hat mich verdonnert den Boden richtig zu schrubben. Richtig hieß für sie, mit einer kleinen Nagelbürste. Kein Witz. Eine Nagelbürste für die Farbflecken. Sie ist dann raus aus dem Laden und ich stand da. Allein, in einem Laden mit 15 Plätzen, über 150 qm. Ich habe erstmal richtig geheult, Rotz und Wasser. Und dann hab ich angefangen auf alles Vieren den Boden mit Reiniger und der kleinen Nagelbürste zu schrubben. Ich hatte blutige Hände vom Reiniger und aufgeschürfte Knie. Danach musste ich mit meiner besten Freundin erstmal richtig saufen gehen und bis zum nächsten Morgen durchfeiern.

Warum haben Friseure diese riesigen Schaufenster, das ist doch eigentlich ziemlich intim?

So können Salons Laufkundschaft angeln: Leute sollen diese großartigen Frisuren durchs Schaufenster sehen und denken: Oh mein Gott, geile Frisur, schöner Salon, da geh ich doch direkt mal rein.

Hast Du auch Geschenke von Kunden bekommen?

Klar, regelmäßig. Schokolade – war ja in der Schweiz.

Und von einem Kunden auch mal was ganz „Besonderes“. Der Kunde war sehr oft bei mir. Dem hab ich immer Shampoo angedreht, da bekommt man nämlich auch Provision. Eines Tages stand er dann mit einem riesigen Lavendel Strauß vor mir. Ich hasse Lavendel, das riecht wie bei einer alten Oma unterm Rock. Und er stand da mit diesem Strauß und fragt mich, ob ich mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken gehe. Den Strauß hab ich direkt mal abgelehnt. Er war nie wieder da.

Wie hoch war dein bestes Trinkgeld?

80 Franken, das sind ca 72 Euro.

Hat schonmal ein Kunde bei dir geheult?

Nein, nie. Ich hab immer erstmal weniger abgeschnitten und mich langsam vorgearbeitet. Ich habe die Kunden immer glücklich gemacht. Man muss auf die Leute hören, gut zuhören, immer nachfragen, immer gucken ob man auch alles richtig verstanden hat.

Aber eine Kollegin hat einem Kunden ins Ohr geschnitten. Kein Witz. Er hat geheult.

Hast Du Tipps oder Tricks, wie sich der Job besser gestaltet oder leichter fällt?

Der Job macht eigentlich richtig Spass. Wenn du ein cooles Team hast, dir Kunst und Menschen verschönern gefällt, dann hast du einen richtig guten Job.

Wenn dir das Team nicht gefällt, dann gib nicht auf, so wie ich.

Ich habe leider aufgegeben, obwohl ich viel mehr hätte draus machen können. Wenigstens 2-3 Friseurläden ausprobieren, zur Not einfach einen eigenen aufmachen. Eigene Chefin werden.

Jeder geht zum Friseur. Warum ist der Job immer noch so schlecht bezahlt?

Ich war ja in der Schweiz, da hat man gut verdient, darüber kann ich garnichts sagen. Man bekommt noch Provision, das ist glaube ich mittlerweile auch in Deutschland so, da kann man dann aufstocken.

Welche Fähigkeiten sollte man als Friseurin besitzen?

Kommunikativ sein, Menschen mögen. Du musst ganz viel Feingefühl besitzen, mit dem Handwerk und mit dem Menschen. Der Kunde bemerkt jede 2 mm Unterschied. Immer zuhören und vorsichtig herantasten.

Dann die Liebe zur Kunst, zum Detail, zu Farbe, zu Styling. Ach ja, und du musst 9 Stunden am Tag stehen können!

Was sind die Vorteile an dem Job?

Das ist total böse, aber du kannst Menschen nach längerer Zeit in diesem Job sehr gut einschätzen: Du guckst auf die Frisur, das Styling, das Verhalten und denkst, ok, ich kenn dich, ich hab dich durchschaut. Man kann Menschen also auch manipulieren, wenn man will (Sie lacht).

Und man kann menschlich richtig viel lernen, verschiedene Menschengruppen kennenlernen, alles einmal durch, von ganz alt bis Kleinkind, das ist ziemlich cool. Und Vorteil ist: Man kann Freunden und Familie immer die Haare schneiden.

Was die Nachteile?

Sehnenscheidenentzündung, besonders vom Haarewaschen und der Massage, durch die Last des Kopfes. Und durch die Handhaltung beim Schneiden und Föhnen. Ich habe bis heute noch damit zu kämpfen, obwohl ich das nur 3 Jahre gemacht habe. Und Nachteil ist: Man muss immer Freunden und Familie mal kurz die Haare schneiden.

Hast Du eine Empfehlung für Leute, die mit dem Gedanken spielen Friseurin zu werden?

Bewirb dich auf keinen Fall bei Billigfriseuren, die in zehn Minuten Schnitte für 7 Euro raushauen. Wenn du einmal bei einem Billigfriseur warst, bleibst du da, du lernst zu wenig um weiterzukommen. Es gibt dort keine Schulungen und keine Wettbewerbe.

Wichtig ist auch, ob Friseure nationale oder internationale Wettbewerbe mitmachen, das ist leicht zu recherchieren im Netz und ein wichtiges Quallitätsmerkmal.

Du solltest lieber viele Bewerbungen an gehobene Friseure senden und Ausdauer haben. Guck dir das Team ganz genau an. Guck dir mehrere Läden an und vergleiche.

Sophia-Helena Rossi ist statt Maskenbildnerin heute Schauspielerin für TV, Film und Theater.

Website: https://m.schauspielervideos.de/fullprofile/schauspieler-sophia-helena-rossi.html

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