Vom Löwenkäfig-Reiniger und Erotikfilm-Darsteller zu Rocky:  SYLVESTER STALLONE

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Noch bevor er auf die Welt kommt, sieht es alles andere als gut für den späteren Rocky Balboa aus: Es ist 1946 in New York City. Jacqueline Stallone windet sich vor Schmerzen in ihrem Krankenhausbett.

Es gibt Komplikationen.

Der Arzt muss den kleinen Sylvester per Zangengeburt zur Welt bringen. Nicht ohne Folgen für den späteren Actionhelden: Wegen der Zangengeburt, trägt er eine Muskellähmung im Gesicht davon. Darum wird auch die Kindheit kein Spaziergang für ihn: Sylvester ist dem Hohn und Spott seiner Mitschüler ausgesetzt. Das macht ihm mehr zu schaffen, als er nach außen hin zeigt. Später, als junger Mann, rät ihm sein Lehrer von der Karriere als Schauspieler ab.

Sein Lehrer meint es gut mit ihm und ist der Meinung, er würde sich viel Erniedrigung, Hohn und Ablehnung ersparen – mit seiner Gesichtslähmung, diesem, in sein Gesicht gemeißelten, schiefen zähnefletschenden Ausdruck, habe er keinerlei Chancen im Filmgeschäft. Ein Millionengeschäft, in dem das Gesicht eines Schauspielers, seine Visitenkarte ist. Doch sein Lehrer irrt, gerade dieser, für ihn typische Gesichtsausdruck und das damit zusammen hängende Nuscheln, wird später sein Markenzeichen sein. Aber das weiß Sylvester jetzt noch nicht – jetzt hat er nur den dringenden Willen es zu schaffen – also macht er alles richtig: Er hört nicht auf die Worte seines Lehrers, hört nicht auf seine Freunde, und nicht auf seine Eltern – er tut das, womit er später berühmt werden würde: Er kämpft.

Sylvester sammelt auf dem College erste Erfahrungen als Amateur-Schauspieler auf der Theaterbühne, schreibt sich an der Universität von Miami ein und versucht sich auch als Autor. Noch bevor er den Abschluss in der Tasche hat, verlässt Stallone die Universität und stürzt sich voll in seine Karriere als Schauspieler. Allerdings bleiben die Rollenangebote aus.

Er kämpft weiter.

Und er ergattert tatsächlich eine Rolle. Eine Rolle, für die es keinen Charakterdarsteller braucht, eine Rolle, für die man nicht spielen können muss, eine Rolle, die jeder spielen könnte: Es ist die Rolle des jungen Stud. Das bedeutet im Englischen so viel wie Deckhengst und das ist nicht zufällig, in dem schmierig schmuddeligen Erotikstreifen The Party at Kitty and Stud’s ist der Name Programm. Seine erstes Rollangebot. Stallone ist pleite und verzweifelt – er nimmt an. Seine Gage: 200 Dollar.

Das Geld ist schnell wieder weg. Aber er muss essen, irgendwo schlafen, Schauspielerfotos machen, einen Agenten finden. Also nimmt er auch das nächste Angebot an, für das man noch weniger Schauspieler sein muss: Er übernimmt den Job als Käfigreiniger im Zoo des Central Parks und schaufelt die stinkende Scheiße der Löwen aus dem Käfig. Er ist beeindruckt von der Grazie und der Stärke der riesigen Katzen und beobachtet sie oft lange, während er seinen Hot Dog isst und darüber nachdenkt, wie er seine Karriere ins Rollen bringen könnte. Er beobachtet die Raubtiere und die Raubtiere beobachten ihn. Ziehen graziös und rastlos ihre Bahnen auf den wenigen Meter Boden in ihrem Käfig.

Hin und her. Hin und her.

Wären sie frei, würden sie jagen und kämpfen. Auch Stallone kämpft weiter, jagt weiter den Rollen hinterher und endlich: Er kann erste kleinere Rollen verbuchen, unter anderem eine sehr kleine Rolle in einem schrägen Film, eines vielversprechenden, aber noch unbekannten Regisseuers: Bananas von Woody Allen.

Aber auch danach passiert nicht viel, niemand nimmt Notiz von diesem ehrgeizigen Schauspieler. Niemand gibt ihm eine richtige Rolle, in der er zeigen kann, was in ihm steckt. Also, schreibt er sich selbst eine Rolle: In nur wenigen Nächten schreibt er das Drehbuch zu Rocky. Die Geschichte eines jungen Boxers, eines Underdogs, dem Niemand Rocky Balboa, der sich von ganz unten, nach ganz oben kämpft. Und damit schreibt sich auch Stallone nach ganz oben, in die erste Liga der Hollywoodstars.

Der, für Hollywood Verhältnisse, eher billig produzierte Film, wird 1976 ein phänomenaler Überraschungserfolg. Er wird in zehn Kategorien für den Oscar nominiert, gewinnt einen Oscar in den Kategorien Bester Film, Beste Regie und Bester Schnitt und macht seinen Autor und Hauptdarsteller Stallone über Nacht zum gefeierten Star.

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