How To Survive Animateurin

Gesa Damaschke, Du hast als Animateurin gearbeitet. Wie bist du dazu gekommen?

Ich wollte schon als Jugendliche Animateurin werden. Die Animateure auf Mallorca während unseres Familienurlaubes haben mich total begeistert. Als meine Schwester irgendwann, nachdem ich mein Abi in der Tasche und mein Lehramtstudium nach 2 Monaten geschmissen hatte, eine Anzeige in einer Zeitschrift fand, habe ich mich sofort bei TUI beworben. Eine Woche später fuhr ich nach Hannover zum sogenannten Casting und nach einer Woche „Animations Workshop“ in Damp saß ich vier Wochen nach meiner Bewerbung im Flieger nach Rhodos.

 Was magst Du an diesem Job am meisten?

Eigentlich alles! Beste Arbeitsplatzlage, tolles Wetter, Holidayfeeling…Immer! 24 Stunden am Tag. Als Animateur ist man der Star der Hotelanlage. Man ist immer gut drauf, ist lustig, wird von allen gegrüßt, respektiert. Kinder und Teenies bewundern dich. So wie ich als Teenie die Animateurin auf Malle bewundert habe. Volle Breitseite fürs Ego!!!

 Was am wenigsten?

Man arbeitet viel, eigentlich immer! Außer man schläft…Aber viel Schlaf bekommt man als Animateur nicht. Volles Programm, 6 Tage, ungefähr 16 Stunden Tage…Mit einer Pause am Abend, einer kurzen Pause. Man arbeitet sich den Arsch ab! Immer Stress-immer Lächeln…Gut, daß ich schon als Baby nie schlafen mochte…laut meiner Mutter…

Und das Essen zusammen mit Gästen-furchtbar! Man betritt den Speisesaal in der Hoffnung, das der Platz bei den netten Gästen- die auch Lust auf einen Animateur am Tisch haben- noch nicht von Kollegen besetzt ist. Wenn ja – Scheiße! Dann heißt es mit vollem Teller Platz suchen. Ätzend! Gefühlt alle Gäste glotzen dich an bis du dich irgendwo niedergelassen hast. Und dann geht die Ausfragerei los. Noch nicht den ersten Bissen im Mund…“Und? Machst du auch was Vernünftiges?“ Häääääh???  Diese Frage kommt immer…Was soll das bloß heißen?

 Was war dein schönstes Erlebnis?

Die Premiere von Starlight Express! Nach ewig dauernden Ausarbeitungen, Kostümplanungen und unendlich langen ewig andauernden Nachtproben (einige Mitarbeiter konnten anfangs nicht mal Rollschuh fahren) war die Premiere ein absolutes Highlight meiner Karriere dann als Choreographin des Animationsteams.

Und der Augenblick als ich meinen späteren Mann und den Vater meiner Kinder das erste Mal vor unserem Animationsbüro sah…

 Was dein schrecklichstes?

Eine Kollegin wollte kurz vor der Show im Theater einen Strahler wegräumen. Dabei bekam sie einen fürchterlichen Stromschlag, so daß die Lampe an ihr festklebte. Ich war auf dem Weg ins Theater und hörte sie schon von weitem fürchterlich schreien, als ich dann zum Theater kann, sah ich sie sich krümmend und brüllend am Boden. Ich war so geschockt, das ich erst nicht reagieren konnte. Glücklicher Weise kann ein paar Sekunden später ein Kollege, nahm einen Besenstiel und schlug ihr die Stromquelle aus der Hand.

 Was dein absurdestes oder witzigstes?

Ich habe mal ein neues Aerobictape bei einer meiner Aerobicstunden abgespielt. Auf einmal dröhnte es aus den Lautsprechern und über die ganze Anlage: „ I wanna fuck you in the ass“…Im Technobeat! PEINLICH!!! Bis ich die Musikanlage erreichte schallte dieser wohlklingende Satz schon ein paarmal über die Poollandschaft…

 Hast Du mehr nette oder schwierige Gäste gehabt?

Definitiv nette Gäste. Da ist man als Animateur klar im Vorteil, denn im Gegensatz zu anderen Abteilungen im Hotel verbreitet ein Animateur gute Stimmung und Freude. Solange man weniger netten Gästen nicht auf die Nerven geht, ist in der Animateurswelt alles in bester Ordnung.

 Hast Du Tipps oder Tricks, wie sich der Job besser gestaltet oder leichter fällt?

Man sollte sich mit dem Koch gut verstehen. Das ist das aller wichtigste. Irgendwann geht einem das Personalessen nämlich extrem auf den Nerv, da braucht man einen guten Draht zum Koch. Dann gibt es auch mal n Sandwich oder extra Käse zum langweiligen Salat usw.

In jeder noch so kurzen Pause sollte man schlafen. Ich habe mir antrainiert, in kürzester Zeit einzuschlafen und auch nach ein paar Minuten wieder aufzuwachen.

Welche Fähigkeiten sollte man als Animateurin besitzen?

Man muß auf jeden Fall die Fähigkeit besitzen, mit JEDEM Gast, d.h. mit jeglichem Klientel Small Talk zu halten. Es ist weiß Gott nicht einfach, mit einen rechten Spacken zu quatschen, der nach Tunesien fährt und sich dann über die „lahmarschigen arabischen Kellner“ herzieht! Da heißt es Contenance bewahren und sich dann immer noch freundlich lächelnd an einen anderen Tisch zu verdrücken…

Und immer wieder: Man sollte nicht viel Schlaf brauchen! Ein Morgenmuffel oder Vielschläfer hat in der Animation schlechte Karten!

  Was sind die Vorteile an dem Job?

An alle männlichen Animateure: Ihr werdet euch vor Verehrerinnen kaum retten können…Egal wie ihr ausseht oder wie ihr euch benehmt-die Mädels fliegen auf euch!

Und man zahlt keine Miete, Unterhaltskosten gibt es nicht, man bekommt alles im Hotel…Da kann man sein sauer verdientes Geld fürs Privatvergnügen ausgeben… 

Was die Nachteile?

Man hat nicht wirklich viel Zeit um sein sauer verdientes Geld fürs Privatvergnügen auszugeben…und leider verdient ein Animateur auch nicht viel…

 Wie viel verdient ein Animateur in einer Saison?

Der Verdienst variiert. Je nach Anstellungsverhältniss. Ist ein Animateur über den deutschen Veranstalter angestellt, so verdient er mehr und ist auch besser, oder besser gesagt überhaupt versichert. Bei einen ausländischen Hotel angestellt zu sein, ist im seltensten Fall vorteilhaft. 

 Hast Du eine Empfehlung für Leute, die mit dem Gedanken spielen Animateur zu werden?

Sucht euch ein vernünftiges Reiseunternehmen und bewerbt euch da! Ich kann nicht empfehlen einfach in einem Hotel zu arbeiten. Meistens sind die Konditionen schlecht und versichert ist man auch nicht. Oft lassen die Hotels auch ohne Arbeitspapiere arbeiten, Arbeitnehmerrechte sind meist ein Fremdwort…

Auch sollte man es sich wirklich gut überlegen. Animation kann man nicht lernen, man kann es!…oder auch nicht!!! Wenn man unsicher ist- dann ist das Arbeitspensum zu hoch und man schafft nicht mal eine Saison; geht man einer Liebe wegen in irgendein Hotel – da fällt man ganz schnell auf die Schnauze! Deine große Liebe mindestens noch 15 andere Lieben…also Vorsicht!

Vielen Dank, Gesa!

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