How To Survive Tantra-Masseurin

Du bist Tantra-Masseurin. Warum?

Ich bin Tantramasseurin, weil ich Kontakt und Berührung liebe und den Rahmen der Bewusstheit schätze, den mir das Setting anbietet. Ich liebe es, zu erleben, was liebevolle Berührung und Aufmerksamkeit mit Menschen macht, was es in Ihnen bewegen kann. Und ich habe dabei oft das Gefühl, ein Geschenk weitergeben zu dürfen, das ich einst bekam.

Wie bist Du auf diesen Beruf gekommen und was war ausschlaggebend für dich, Tantra-Masseurin zu werden?

Letztlich kam der Impuls aus meiner eigenen Geschichte. Ich war eigentherapeutisch auf einer brennenden Suche, und ich habe auch verschiedene körpertherapeutische Sitzungen genossen, in denen ich erstmals mit meiner eigenen Sehnsucht nach Berührung in Kontakt kam. Vorher hatte ich „theoretisch“ schon davon gehört, dass viele Menschen einen Mangel an Körperkontakt haben. Aber schmerzlich zu erleben, wie riesig sich dieser Mangel anfühlt und wie sehr ich zerrissen bin davon, den Schmerz wahrzunehmen und mich berühren zu lassen (etwas, was man Heilung nennen könnte) oder wie gewohnt verschlossen zu bleiben und mich zu schützen… das hat mich zutiefst bewegt und auch geprägt.

Ich habe dann in meinem Freundeskreis viel nach Halt, Berührung, Kuscheln gebeten und sozusagen „nachgetankt“. Ich war überrascht, dass es da auch ein Bedürfnis nach intimer Berührung, intimem Halt gibt, jenseits meiner Konzepte. Irgendwann schien der Schwamm, also meine Bedürftigkeit, vollgesogen, und es floss auch umgekehrt. Ich bekam Impulse, selbst zu berühren und zu halten.

Als ich schließlich selbst eine Yonimassage bekommen hatte und in diesem schwer beschreibbaren Wahrnehmungsraum landete, war das der letzte „Kick“, loszulegen und Tantramassage zu erlernen. DAS wollte ich weitergeben! 

Was magst Du an deinem Beruf am meisten?

Ich mag es am meisten, dass die Massagen bei der empfangenden Person so viel bewirken können und gleichzeitig auch mir gut tun. Auch für mich bietet jede Massage die Möglichkeit, meditativ zu werden, vielmehr wahrnehmend als denkend. Das ist großartig!

Ich mag auch immer wieder Momente der Herausforderung und Selbsterkenntnis.

Ich bin für jeden Gast mit Liebe da, aber natürlich funktioniert mein Urteilen noch. Ich finde es immer spannend, wie sich der Kontakt mit Menschen verändert durch Berührung, Wortlosigkeit, Spüren… wenn die Selbstdarstellung aufhört.

Was magst Du an deinem Job am wenigsten?

Am wenigsten gefällt mir die Erwartungshaltung mancher Gäste, dazu weiter unten mehr.

Manchmal finde ich es schwierig, gut für mich zu sorgen. Erstens weil die Gäste im Vergleich zu vor ein paar Jahren zunehmend sehr spontan buchen. Damit werden ganz einfache Dinge wie „der Feierabend“ oder die Zeit und Ruhe, gute Mahlzeiten zu mir zu nehmen, öfter mal verschoben und sind nicht nachholbar. Auf Dauer kann das zu viel werden.

Außerdem ist abgesehen von der Arbeitszeit in den seltensten Fällen voraussehbar, wie viel Energie mich eine Session „kostet“. So kann es vorkommen, dass ich im Ausnahmefall nach drei Massagen total kraftvoll und glücklich strahle. Oder aber ich war schon bei der ersten ganz herausgefordert und bräuchte dann vielleicht eher eine Pause oder selbst ein Fallenlassen, statt gleich für den nächsten Gast da zu sein. Das muss ich dann auch vertagen, was ich gelernt habe.

Aber es gibt Grenzen, und da muss man sich gut kennen lernen, um den Job langfristig zu machen. Selbst da, was meine eigene Verfassung angeht und dabei, was ich glaube zu brauchen, gab es immer wieder Überraschungen.

Kommen mehr Frauen oder Männer zu dir?

Es kommen wesentlich mehr Männer zu mir, 80-90%.

Welche Unterschiede beobachtest Du bei Männern und Frauen?

Frauen kommen meist mit einem Thema, einer Geschichte, die sie auch bereit sind zu teilen, etwa, wo sie hinschauen möchten. Sie teilen detaillierter, was sie vermissen und warum sie da sind. Für sie scheint von Anfang klar zu sein, dass die Erfahrung sehr emotional werden kann und darf. Sie wollen etwas Neues erleben. Frauen haben oft vorher auch Bedenken, ob sie sich ausreichend fallen lassen können, bringen Scham oder die Erwartung von Scham mit. Tatsächlich bewahrheiten sich ihre Bedenken so gut wie nie. Manchmal sprechen Frauen Orgasmusprobleme an und den Wunsch, daran zu „arbeiten“.

Männer floskeln da eher herum und sagen, sie wollen sich fallenlassen und mal ganz entspannen, was alles Mögliche an nicht ausgesprochenen Vorstellungen beinhalten kann. Es ist sehr selten, dass ein Mann im Vorgespräch teilt, was ihn emotional bewegt. In den Massagen erlebe ich dann oft, dass Männer es schwerer haben, von ihren Gewohnheiten loszulassen und die Versuchung sehr groß ist, in ein Kopf-Sex-Tape abzubiegen, oder dass es bislang nur diese Spur zu geben scheint. Mit Sex-Tape meine ich, dass sie oft sehr feste Vorstellungen davon haben, was passieren wird, was sie wie erleben werden und dass sie wissen, was als nächstes kommt oder kommen sollte. Oft gibt es vorher die Erwartung, auch zur Ejakulation GEBRACHT zu werden, zur Not mit starker Stimulation. Diese Erwartung verflüchtigt sich manchmal während der Massage. Wie schön, wenn sich ein Mann wirklich ins Spüren traut! Selten gibt es da auch eine Enttäuschung, und das tut oft beiden weh.

Warum sollten alle Menschen am besten regelmäßig zu einer Tantra-Massage gehen?

Ich weiß gar nicht, ob das Format der Tantramassage für alle passt! Bei einigen Gästen habe ich ganz klar das Gefühl, dass sie nicht wiederkommen werden, weil sie etwas anderes gesucht haben, als sie erfahren haben.

Nicht jeder hat Lust, sich in diese rein rezeptive Rolle zu begeben. Klar kann man sagen, da läge auch ein Potential drin, wenn er es doch täte. Aber manche Gefühle oder Erfahrungen machen einfach auch soviel Angst, wie von einer Klippe zu springen. Und nicht jeder hat so ausgeprägten Forscherdrang, ALLES Fühlbare in Kauf zu nehmen für eine neue Erfahrung. Da hat jeder eine individuelle Grenze.

Was erwarten deine Kunden, wenn sie zum ersten Mal zu dir kommen?

Das ist so unterschiedlich! Manche erwarten einfach eine erotische Massage. Einige kommen auch mit der Erfahrung von erotischen oder „Tantra“massagen, wo sie auch „anfassen“ und „gucken“ durften oder wo es auch zu Penetration kam… im (für uns) schlimmsten Fall, OBWOHL vorher gesagt wurde, dass das nicht passieren wird.

Wir erwarten ja meist im Rahmen von dem, was wir bereits kennen oder erfahren haben. Andere Erwartungsmöglichkeiten bietet der Verstand faktisch nicht.

Manchmal aber kommt jemand mit einer Sehnsucht und hat die Ahnung, dass Tantramassage da etwas Passendes sein könnte. Und es ist so wertvoll, mit Sehnsucht da hineinzugehen und mit der Offenheit, dass außerhalb der eigenen Erwartung etwas zu finden ist!

Wie kann sich Tantra auf die Gesundheit, Persönlichkeit und das Wohlbefinden eines Menschen auswirken?

Tantra, wie ich es verstehe, lässt Dich mehr Deinen Körper wahrnehmen. Die Buddhisten sagen, Dein Körper ist bereits erleuchtet, er weiß immer. Wenn Du ganz in der Körperwahrnehmung bist, dann gibt es kein Problem. Vielleicht hast Du intensive Empfindungen, auch schmerzhafte, aber sie sind kein Problem. Starke Eindrücke fesseln einfach Deine Aufmerksamkeit, bis sie vergehen. Wenn wir an Zuständen und Gefühlen nicht festhalten (wir halten sie auch fest, wenn wir sie nicht fühlen wollen), dann kommen und gehen sie wie Wellen. Theoretisch ist das simpel und in vieler Munde. Danach wirklich zu leben ist eine Herausforderung.

Aber jeder Schritt dahin trägt zur Gesundung bei, weil wir die Lebensenergie nicht mehr blockieren, bis sie pathologische Kräfte entwickelt. Wenn ich mehr und mehr meinem Körperwissen folge, entspricht das Leben vielleicht immer weniger den Vorstellungen, die ich davon und von mir hatte. Aber es wird sich immer „echter“ anfühlen, immer mehr wie mein Leben. Wenn ein Mensch immer mehr seiner inneren Wahrheit folgt, wird er weniger Energie für Zurückhaltung, Rollen-oder Versteckspiele, Widerstände, Trotz und vieles mehr aufwenden. Er wird strahlender, kräftiger, kompromissloser, anziehender.

Das ist meines Erachtens ein Potential von Tantra. Es wird leichter und wichtiger, meine wirklichen Bedürfnisse zu erfüllen, was oft gar nicht so viel braucht. Und dann ist ganz viel Raum und Überschuss für andere da. Liebe.

Bewusstheit, z.B. darüber, was ich wirklich brauche, und der Mut, dafür zu sorgen, kann mich wirklich befreien, weil viel weniger versteckt abläuft.

Atmung spielt da eine große Rolle. Ich setze meine eigene Atmung ein, um den Kontakt zu vertiefen, und ich lasse meine Gäste auch anders atmen, als sie es im Alltag tun. Wer will, kann im Rahmen der Tantramassage lernen, auch mit intensiven Wahrnehmungen entspannt und durchlässig zu bleiben, in dem er unter anderem auf seinen Atemfluss achtet.

Kommt es oft vor, dass deine Kunden in einer solchen intimen und zärtlichen Atmosphäre „mehr“ wollen?

Mit mehr meinst Du was genau? Ich bin im tantrischen Ritual ja frei und kreativ. Jede Session kann anders sein als alle anderen. Ausgeschlossen sind gegenseitige Stimulation und Penetration.

Und es ist unterschiedlich, worin das Mehrwollen gründet. Oft ist es das bereits zitierte sex tape, das anspringt. Ich spüre, dass derjenige in den Kopf geht und in Vorstellungsbilder. Das ist dann wie ein Abbruch der Verbindung, … eben zurück in den Kopf.

Manchmal ist aber das gegenseitige Einlassen in den Körper so stark, dass dann auch für mich eine große Anziehung entsteht, ein wirkliches Aufgeben der schützenden Grenzen, ein Aufgehen in den Empfindungen. In einzelnen Fällen würde es sich dann nur natürlich anfühlen, dieser Energie zu folgen und auch in körperlich in Vereinigung zu gehen.

Und hier und da braucht es auch mal „nur“ ein richtig dolle Festhalten, und dass der andere auch mal richtig festhalten darf, damit ich nicht weggehe. Nicht alles Mehrwollen ist erwachsen-sexuell motiviert. Unsere Körper tragen auch noch kindliche Sehnsüchte in sich, nach Halt und Wärme und Brust oder das Gesicht streichelnde Hände oder was auch immer. Deswegen ist eine Tantramassage potentiell immer mehr als eine erotische Massage!

Wenn ja, was tust Du dann?

Im ersten Fall versuche ich anzuhalten oder einen Schritt zurück zu gehen, dahin, als er/sie noch ganz da war. Ich versuche, das anlaufende Gewohnheitsrad so schnell wie möglich anzuhalten, um es bewusst zu machen. Manchmal spreche ich es auch an. Oft löst sich das sogar humorvoll, was sehr schön, wieder verbindend und ein echter Aha-Effekt ist. Selten geht da aber gar nichts, gibt es keine Lücke, keinen Ausweg aus der Gewohnheit, und dann gibt es manchmal eben Unzufriedenheit, weil die Erfahrung nicht der Erwartung entspricht.

Im zweiten Fall kann man auf dieser Welle tatsächlich surfen, also eine ganze Weile in diesem intensiven Sog bleiben, ohne ihm ganz zu folgen, ganz genießen, dass man gern NOCH näher kommen würde. Wenn man das ganz intensiv spürt, ist es so als hätte man es schon. Das ist faszinierend, und man kann es im besten Falle laaange ausdehnen. Das ist ein sehr sättigendes Erlebnis, weil man ganz im Empfinden ist, ganz in der Verbindung, ganz im Tanz der Energie und Freude.

Was war dein schönstes Erlebnis als Tantra-Masseurin?

Oh, es gab viele ganz schöne Erlebnisse. Einen absoluten Favoriten gibt es da nicht. Es gab mehrere Sessions, in denen ich eine umwerfende Erfahrung von Ausdehnung und Verschmelzung hatte, einen gemeinsamen Beckenerfahrungsraum, in dem sogar gleichzeitige Orgasmen vorkamen, weil es energetisch so gleich schwang, weil das tantrische Prinzip lebendig wurde in gemeinsamer Energie, Entspannung und Atmung. Das ist Einssein. Ich bin über jede Träne in den Massagen glücklich und über jedes erleichternde Lachen und immer wieder über das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird.

Was war dein schrecklichstes Erlebnis?

Eines der schmerzhaftesten Erlebnisse zu Beginn meiner Arbeit war die Konfrontation mit einem Gast, der im Vorgespräch verhärtet schien und bei dem die Erwartung eines Orgasmus spürbar im Raum war. Ich empfand ihn unachtsam im Kontakt, fast respektlos, der Einstieg war schwer. Dann, nach der ersten halben Stunde der Massage, veränderte sich plötzlich etwas. Er war berührbar, weinte auch kurz und ließ immer mehr los. Die Lingammassage verlief sehr schön. Sein Gesicht veränderte sich total, seine Atmung vertiefte sich, er wurde weiter und gelöster. Ich beendete die Massage, er lag zufrieden und gelöst da wie ein Kleinkind, ich deckte ihn noch zu und wollte ihn noch kurz nachruhen lassen. Als ich ihm mitteilte, dass ich gleich zurück sein werde, schlug er plötzlich die Augen auf, und es war, als würde er mit einem Ruck „zurück“kommen. Er fragte, ob es schon zu Ende sei. Er sei ja gar nicht gekommen. Er wurde wieder hart und wirklich wütend, war nicht mehr zugänglich.

Das war in meinem ersten Jahr, und es hat mich persönlich getroffen, was hart war. Darüber hinaus schmerzte es mich, erlebt zu haben, was er sich selbst damit tut. Er hat zwei Stunden in vollen Zügen genossen, kam in einen Zustand totalen Friedens und hat sich dann mittels des Gedanken, er hätte doch jetzt aber auch kommen müssen, das ganze Erleben vermiest, entwertet. Es war faszinierend, das zu erkennen, aber auch niederschmetternd.

Was war dein absurdestes?

Ein 84-jähriger Gast, der ausgerechnet an einem Tag kam, als der Fahrstuhl ausgefallen war, er kam also die sechs Treppen hochgestapft. Informierte mich im Vorgespräch dann, dass er ein Hörgerät trage, das er ablegen wird, so dass er während der Massage nichts hören wird.

Als ich zum Massagebeginn in den Raum kam, lag er schon, wie Gott in schuf, auf der Matte, ohne Hörgerät. Ich wollte ihn nicht nochmal hochscheuchen, den Armen, also habe ich mich zu ihm begeben. Der Raum war die nächsten zwei Stunden erfüllt von dem melodischen, aber leider nicht harmonischen Interferenzgeräusch (oder was auch immer) des abgelegten, aber nicht ausgeschalteten Hörgerätes. Na gut, dachte ich, jetzt höre ich das zwei Stunden lang, während er gar nix hört. Aber das war noch nicht alles. Der Mann trug auch noch einen Herzschrittacher. Da musste ich wirklich schmunzeln, es kam also auch noch ein rhythmisches Ticken hinzu.

In welchem Alter sind die meisten deiner Kunden?

Die meisten sind um die 50, grob geschätzt.Es kommen aber auch zunehmend jüngere Männer und Frauen, was mich freut. Je eher, desto besser!

Wie sieht der normale Ablauf aus, wenn Du einen Kunden empfängst?

Ich empfange ihn an der Garderobe und führe ihn ins Zimmer. Er bekommt Wasser angeboten, und in einem kurzen Vorgespräch gebe ich ein paar Informationen zur Massage oder erfrage, womit derjenige da ist. Ich kläre ab, ob ich noch etwas im Hinblick auf die Massage wissen muss, z.B. akut schmerzhafte Bereiche oder Bewegungseinschränkungen.

Im Anschluss an das Vorgespräch zieht der Gast sich um, anschließend bringe ich ihn ins Bad. Da zum Teil mehrere Massagen gleichzeitig im Institut laufen, begleite ich meinen Gast jeweils von Tür zu Tür. Nach der Dusche bringe ich den Gast zurück zum Zimmer, kurz darauf beginnen wir dann mit der Massage.

Ist der Kunde während der Massage immer passiv oder darf er dich auch berühren und streicheln?

Der Gast ist rezeptiv, d.h. auf seine eigenen Empfindungen, sei es auf der Körperoberfläche oder innerlich, fokussiert. Das heißt nicht, dass es ein Verbot gibt, mich zu berühren. Manche körperlichen Berührungen ergeben sich organisch, je nach eingenommener Position und passen sozusagen, aber die haben kein Ziel, wollen nichts, sondern ergeben sich und verkörpern die Verbindung.

Wenn Berührungen mehr ein Anfassen aus einer Idee heraus sind, spüre ich das sofort. Da gibt es eine Absicht, ein Ziel: Entweder soll es ihn/sie anmachen (siehe Gewohnheit) oder mich irgendwohin bringen. Dann bricht wie oben beschreiben die Verbindung ab. Der spürende Raum geht zu. Diese Art der Berührung unterbinde ich oder mache sie bewusst, siehe oben.

Der einfachste Weg, mich während der Massage zu berühren, ist sich aufs Fühlen und Atmen einzulassen, das ist sozusagen der Anteil des gemeinsamen Kontaktes auf der Empfängerseite. Wenn das passiert, braucht es keine „herbeigeführte“ Berührung, weil wir schon zusammen sind.

Was nehmen deine Kunden mit, wenn sie wieder gehen?

Es gibt Erfahrungen von Nähe und Halt, Geborgenheit, Ganzsein, Richtigsein, Angenommensein, der Erlaubnis von Lust, Tabubrüchen, z.B. bei der analen Berührung, Sattsein, tief durchgeatmet haben, manchmal wie beschrieben auch eine Enttäuschung. Oder eine Bestätigung für eine Ahnung (s.o.) und den Hunger, mehr so zu leben und die Frage: Wie nehme ich davon etwas ins Leben mit?

Für manche Männer und Frauen hat die Begegnung auch etwas von Initiation. Grundsätzlich ist die Massage ein Willkommensritual, und viele Menschen haben es bislang noch nie erlebt, ungeteilte Aufmerksamkeit und Berührung an ihren empfindsamsten, heiligen Bereichen zu bekommen, ohne dass gegenseitige Erwartungen, Ablenkungen, Konzepte im Raum stehen, wie oft in der gelebten Sexualität. Sex ist für viele auch Stress, und da sie es nicht anders kennen, normal so. Mal jenseits der gängigen Techniken, Reihenfolgen, Verfahren berührt zu werden oder minutenlang nur gehalten, kann jemanden wirklich sich selbst ganz neu spüren lassen. Was mag mein Körper wirklich? Wobei entspannt er sich? Was regt mich an, wo spanne ich an, wo halte ich den Atem an, und was will ich da nicht fühlen? Das sind oft Dinge, die wir nicht im Berührungs- oder Wahrnehmungsrepertoire haben. Ganz in den Empfindungen der Ohrmuschel oder des Nackens aufzugehen, die Hand als erogene Zone und den Strom in den Energiebahnen zu erleben, kann sehr überraschen.

Initiatorisch sind vielleicht auch Sekunden bis längere Phasen, vollkommen im Körper zu sein, im Gleichklang der Atmung, Stille im Herzen und im Denken, so lange schon nicht erlebt. Das kann wie im Mutterbauch sein: Es ist gerade alles da, was ich brauche, und jemand passt auf mich auf, und ich kann einfach ganz loslassen. Das sprengt die Vorstellung von „einfach mal entspannen“, die der Empfänger vielleicht hatte, als er durch die Tür trat. Oft nimmt ein Mann, der mit dem Gedanken ankam `Ich komme immer zu früh` eine gegenteilige Erfahrung mit. Oder eine Frau geht mit der Erkenntnis: Ich muss gar nicht offen sein! Und die Erfahrung, wie sie sich daraufhin entspannte…

Yoga wird heute mittlerweile auf Rezept verschrieben und vor einigen Jahren wurde es noch als Hippie-Quatsch abgetan. Sollte es Tantra auch auf Rezept geben? 

Es wäre schön, wenn die Bedeutung von Kontakt und Berührung generell mehr erkannt würde. Noch besser, als auf Rezept für mich sorgen zu lassen, wäre die Übernahme von Verantwortung für sein eigenes Wohl durch jeden Einzelnen. Ich hatte anfangs Widerstände und so große Scham, meine Freunde mit meiner „Bedürftigkeit“ zu belasten, sie um etwas zu bitten, so saugend zu sein. Das wurde immer leichter mit der Zeit, und am Ende blieb ganz große Rührung und Dankbarkeit, weil so viel Gutes daraus entstand!

Also auf Rezept wäre gut für mich als Masseurin, aber irgendwie auch zu institutionalisiert. Es könnte auch genug für alle da sein, ohne dass Geld hin-und hergeschoben werden muss!